Museumsadresse

Gutsstraße 15
39319 Sehnde-Rethmar

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So & Feiertags
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u.n. Vereinbarung

Ansprechpartner

Regional-Museum-Sehnde e. V.
Erhard Niemann
Backhausfeld 10
31319 Sehnde-Rethmar

Tel.: ab 15:00 Uhr 05138-9851
eMail: r.niemann(at)htp-tel.de

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Dauerausstellung

Zum „Großen Freien“ zählen die Dörfer Ahlten, Anderten, Bilm, Ilten, Höver, Lehrte, Sehnde, Gretenberg, Klein Lobke, Rethmar, Evern, Dolgen, Haimar und Harber. Seit der Kommunalen Gebietsreform die in Niedersachsen 1974 durchgeführt wurde, verteilen sich diese 14 Ortschaften heute überwiegend auf dem Gebiet der Stadt Sehnde. Zwei Ortschaften befinden sich auf Lehrter Gebiet und je eine Ortschaft gehört nun der Stadt Hannover und Hohenhameln an.

Alle diese Orte führen in Ihrem Wappen den Löwen des Welfenherzogs Heinrich. Er hatte dem „Großen Freien“ das Wappen im Jahr 1395 verliehen.

Die Verwaltungseinheit des „Großen Freien“ war das Amt Ilten, dass Anfang des 15. Jahrhunderts gegründet wurde und bis ins Jahr 1859 existierte. Danach wurde es in das Amt Burgdorf eingegliedert.

Neben dieser Gebietseinheit gab es auch das „Kleine Freie“, dass die Dörfer Döhren, Wülfel und Laatzen umfasste und 1671 vom „Großen Freien“ abgetrennt wurde. Das „Kleine Freie“ kam unter der Herrschaft der Calenberger Welfen, während das „Große Freie“ bei der lüneburgischen Linie verblieb.

Im Jahr 1236 werden die „Freien vor dem Nordwalde“ erstmalig in einer Urkunde des Bistums Hildesheim erwähnt. Die Bauern in den Freiendörfen genossen besondere Privilegien. Über die historische Herkunft dieser Freienrechte gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese sieht in den Sonderrechten der Freien ein Relikt aus altsächsischer Stammeszeit, während andere Historiker hierin Privilegien vermuten, die von den fränkischen Königen an hier angesiedelte Kolonisten vergeben  wurden.

Die Freienfahne von beiden Seiten im Regional-Museum Sehnde e. V.

Die Privilegien der „Freien“

An oberster Stelle stand die eigene Gerichtsbarkeit. Sie wurde ursprünglich auf der alten Gerichtsstätte „Hassel“ (eine Anhöhe südlich von Müllingen) ausgeübt. Hieraus ging das „Freiding“ unter dem Vorsitz des Freigreven hervor, dass 1501 nach Ilten verlegt wurde.

  • Jeder Freie besaß das Recht, seinen Grundbesitz frei zu veräußern und sich ungehindert niederzulassen. Er durfte ohne Konzession Handel treiben und besaß das Recht des Bierbrauens.
  • Er war von öffentlichen Abgaben mit Ausnahme des (geringfügigen) Königzinses befreit. Ihm war das Tragen von Waffen gestattet
  • Er genoss das freie Fischereirecht in der Burgdorfer Aue, sowie das freie Jagdrecht in der Feldmark seines Dorfes, aber auch im Altwarmbüchener Moor
  • Er war von der Verpflichtung zum  Kriegsdienst befreit. Stattdessen stellten die Freien im Kriegsfall dem Landesherrn zwei Kompanien, für deren Ausrüstung und Unterhaltung sie selbst aufzukommen hatten.

Auch wenn das „Das Große Freie“ nicht mehr als Verwaltungseinheit besteht, werden viele Traditionen noch heute von der bäuerlichen Korporation „Das Große Freie“, der Schützenbruderschaft „Das Große Freie“ und dem „Hegering Das Große Freie“, gepflegt. 

Schützentradition und Silbervogel

Die Erinnerung an die Freien-Rechte leben heute am stärksten im Schützenwesen und seinen besonderen regionalen Symbolen – der Freienfahne und dem „Silbervogel“ weiter. Die Bauern des „Großen Freien“ waren vom Militärdienst befreit. Sie mussten aber, sobald der Heerbann ausgerufen wurde, in zwei „Freien-Kompanien“ eigene Truppen stellen.

Die Freien-Kompanien wurden auch „Fähnlein“ genant. Sie hatten eine Gesamtstärke von 564 Mann. Im ersten „Fähnlein“ standen die Freien aus Lehrte, Dolgen, Haimar, Ilten, Harber und Sehnde.

Zum zweiten gehörten die Freien aus Gretenberg, Anderten, Ahlten, Höver, Bilm, und den drei Orten des „Kleinen Freien“.

Für die Ausrüstung und Unterhalt der Kompanien hatten die Freien selbst zu sorgen. Um dies zu gewährleisten, schlossen sich je fünf Höfe zu einem „Rott“ zusammen. 1648 wurde für die Kompanien eine neue, einheitliche Uniform eingeführt (roter Uniformrock, violette Aufschläge).

Um kriegstauglich zu bleiben, mussten die Angehörigen der Freien-Kompanien regelmäßige Schießübungen durchführen. In den seit Ende des 17. Jahrhunderts zu Pfingsten veranstalteten Wettschießen liegen die Wurzeln des späteren Schützenwesens.

Bei den Schützenfesten in den Dörfern dienten „Silbervögel“ als Siegertrophäen. Der von allen Freien gemeinsam ausgeschossene „Silbervogel“ ist vermutlich eine Stiftung des braunschweigischen Herzog Heinrich des Älteren (1552)  oder eine Neustiftung des Herzogs Christian-Ludwig (1652) 

Die „Freien-Kompanien“ kamen u.a. 1674 im „Heidelberger Krieg“ gegen die Franzosen und 1692 bei der Besetzung des Herzogtums Lauenburg zum Einsatz. Im „Sieben-jährigen Krieg“, in dem Hannover mit Preußen verbündet war, stellten die freien 900 Mann.

1769 wurden die beiden Freien-Kompanien aufgelöst und in die allgemeine  hannoversche Landmiliz überführt.

Das letzte „Freienschießen“ der Reihestellenbesitzer fand 1863 im Flakenbruch (Wald zwischen Ilten und Lehrte) statt. Zu diesem Treffen wurde die bekannte „Freien-Fahne“ in den gelbweißen hannoverschen Landesfarben angeschafft.

Dort beschloss man auch, alle 15 Jahre ein Wettschießen aller Reihenstellerbesitzer aus den Dörfern  des „Großen  Freien“ durchzuführen. Dieser Brauch schlief aber 1909 ein.

1954 wurde mit der Gründung der „Schützenbruderschaft Das Große Freie“ an  diese Tradition wieder angeknüpft. Seitdem findet das Freien-Schießen alle drei Jahre mit dem Luftgewehr (stehend, aufgelegt) statt.

Siegertrophäe ist weiterhin der „Silbervogel“. Das Original befindet sich seit 1993 im Historischen Museum Hannover, der neue Silbervogel als Dauerleihgabe im Regional-Museum Sehnde auf dem Gutshof Rethmar.